HTWK Leipzig Ringvorlesung Livestream jetzt online

Müll ist ein globales Problem und geht uns alle an: Als Konsumenten, als Wähler und als künftige Absolventen der HTWK Leipzig, die einmal Verantwortung tragen für technische Lösungen und Einfluss nehmen auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen. Mülltrennung und smarte Technologien mögen unser Gewissen retten, aber nicht unseren Planeten. Denn menschliches Wirtschaften kann langfristig nur gelingen, wenn es sich einfügt in die ökologische Haushaltsführung unseres Erdballs.

Die Reihe „Müll – Klappe zu und weg?“ setzt Abfall in Bezug zu unserem modernen Lebensstil. Problemursachen und Einflussfaktoren werden von Experten aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, technische Lösungen und die Möglichkeiten menschlicher Verhaltensänderungen werden hinterfragt.

In meinem Vortrag “Mythos Wegwerfgesellschaft” nehmen ich Bezug auf die Themen anthropogene Obsoleszenz, Shareconony und SDGs, verdeutliche Irrtümer, die Verantwortung von Herstellern und Handelsunternehmen und zeigen Lösungen und den Beitrag von Forschung und Lehre auf.

Die Manipulation des Verbrauchers

„Manipulation – wie frei sind wir wirklich?“ lautete die Fragestellung des Studium Generale im Sommersemester 2016. Dazu wurden Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Disziplinen wie der (Kunst-)Geschichte, der Germanistik, der Medizin oder der Wirtschafts- und der Rechtswissenschaften eingeladen, um aus der Perspektive ihres Faches das Thema auszuleuchten. Das Spektrum der Vorträge reichte von Fälschungen in der Kunst über Manipulationen in der Wirtschaft und im Gesundheitswesen bis eben hin zur Steuerung der öffentlichen Meinung. Zu den Referenten gehörten neben Wissenschaftlern der Ruperto Carola auch Fachvertreter aus Berlin, Erfurt und Halle-Wittenberg.

Heidelberg University Publishing ist ein Open-Access-Verlag für qualitätsgeprüfte wissenschaftliche Publikationen. Wir unterstützen Open Access als Publikationsmodell für die Verbreitung hervorragender Forschungsergebnisse und setzen Open-Source-Software für die gemeinsame Entwicklung der zugrunde liegenden Publikationstechnologien ein.

Wie frei kaufen wir wirklich? Schauen wir heute in die Welt des Kon-sums, bemerken wir eine seltsame Erkrankung, die die Produkte be-fallen hat. Da landen Konsumgüter im Regal, die sich in ihrer Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Nutzbarkeit weit von dem entfernt haben, was einen Handwerker oder Ingenieur noch mit Produzentenstolz erfüllen könnte. Auch die kaufende Bürgerschaft wundert und ärgert sich über das trügerische Angebot, das in Produkt- und Markenhüllen verpackt nur noch zeitlich begrenzten Nutzen bieten will, wo eigentlich das Eigentum daran längere Freuden ermöglichen soll.

Im Credo „Hauptsache ihr habt Spaß”, meinen die Werbestrategen die zentrale Kundenanforderung erkannt zu haben. Doch der Spaß vergeht den Konsumenten, denen neben einer Befriedigung ihrer täglichen Bedürfnisse auch an einem sorglosen Konsum ohne Schaden für die Zukunft der eigenen Kinder und Kindeskinder gelegen ist. Doch in gesättigten Märkten sucht das Marketing inkrementelle Innovationen, die die Wiederbeschaffung beschleunigen, statt die breite öffentliche Debatte um Klimawandel und die dringend gebotene Ressourcenwende ernst zu nehmen.

Im meinem Beitrag geht es um “Die Manipulation des Verbrauchers” und die Frage „Wie frei kaufen wir wirklich?“. Es ist ein Abstract meiner Vorlesung an der UNI Heidelberg mit gleichem Titel. Der Vortrag stellte die „geplante Obsoleszenz“ als Oberbegriff für betriebliche Strategien und Methoden vor, die darauf abzielen, die Nutzungsdauer von Konsumgütern zu verkürzen und zu einem raschen Neukauf zu verleiten. Der Vortrag hinterfragt das Verbraucherleitbild einer auf Verschleiß ausgelegten Konsumwelt und zeigt Risiken einer als Ausweg angestrebten Shareconomy auf, die die Produktwahrnehmung auf deren Nutzwert reduziert. Demgegenüber wird ein neues Konsumentenleitbild skizziert, welches von einem Bürger als emanzipiertem Akteure ausgeht.

Zum Download “Manipulation Gesamtausgabe” “Beitrag Die Manipulation des Verbrauchers


Dieses Werk und der Beitrag stehen unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.

Stefan Schridde in Berlin on 18.04.18

Stefan Schridde in Berlin on 14.04.18

Stefan Schridde in Oldenburg on 07.11.18

Stefan Schridde in Leipzig on 02.05.18

MURKS? NEIN DANKE! e.V. ist nominiert für den ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit 2018

Die gemeinwohlorientierte Verbraucherorganisation MURKS? NEIN DANKE! e.V. ist in diesem Jahr für den ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit in der Kategorie HANDELN nominiert. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für Haltbarkeit und nachhaltige Qualität ein. Dabei steht die „geplante Obsoleszenz“ im Fokus der Bewegung. MURKS? NEIN DANKE! fordert von Produzenten, Handel und Politik, den geplanten Verschleiß zu beenden, und ermutigt, neue Wege zu gehen. Communityportal und Initiativen erleichtern Konsumenten, positive und negative Beispiele transparent zu machen. Damit hat MURKS? NEIN DANKE! eine breite Debatte in der Gesellschaft angestoßen und das Thema auf die Agenda gesetzt.

Der ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit zeichnet zum sechsten Mal Vorzeigeprojekte im Bereich Nachhaltigkeit aus. Der Preis wird in den Kategorien WISSEN, HANDELN und DURCHSTARTEN verliehen und ist in den Kategorien WISSEN und DURCHSTARTEN jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 20. März 2018 im Rahmen des ZEIT WISSEN-Nachhaltigkeitskongresses in Hamburg statt.

In der Kategorie HANDELN sind außer MURKS? NEIN DANKE! noch Neumarkter Lammsbräu und unverpackt Kiel – lose, nachhaltig, gut nominiert. In der Kategorie WISSEN haben die Nominierten Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V., Prof. Lucia A. Reisch und Yeşil Çember Chancen auf die Auszeichnung. Conflictfood sowie Orcan Energy und Too Good To Go sind in der Start-up-Kategorie DURCHSTARTEN nominiert.

Consumer Technologies 2017 – Deloitte legt unzureichende Studie vor

Trendstudie “Consumer Technologies 2017” von Deloitte vorgelegt. Man beschäftigt sich mit Smartphones, Streaming, Fotografie, Wearables, Roboter und Virtual Reality. Themen wie Smarthome,  Smartcities, eMobilität und Cyborg werden ausgespart. Themen wie Ressourcenwende, Nachhaltigkeit, Produktverantwortung und Sustainable Development Goals, participatory developments, community-driven-marketing finden sich schon garnicht. In alledem erkennt man nur den Wirtschaftsfaktor, kaum die sozialen Wirkungen und Impulse. Die sagt schon etwas zum wenig strategischen Konsumentenbild bei Deloitte. Es kommt einem so vor, als würde das Smartphone als “Personal Device” als Stellvertreter für den Konsumenten in der virtuellen Sphäre der Hersteller und Handelsunternehmen gesehen. Das Smartphone ersetzt sozusagen in der Augmented Reality der BusinessModells den Point-of-Sale, das Regal und den Endkunden. Man könnte dies auch digitale Blindheit nennen.

Kurz zu Durchführung der Studie: Jeweils ca. 1000 Menschen in Privathaushalten mit Telefonanschluss lebende deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren wurden in verschiedenen mehrstufigen geschichteten Zufallsstichproben (statistische Fehlertoleranz +/- 3 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe) mit  computergestützten telefonischen Befragungen (CATI) befragt. Auftraggeber war BITKOM. Die gestellten Fragen wurden nicht veröffentlicht.

In der Studie die Feststellung, dass rund 1,4 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes in mehr oder weniger direktem Zusammenhang mit dem Smartphone stehen. Bis 2022 soll dieser Anteil auf 1,7 Prozent steigen. “Damit wird ein traditionelles Segment wie die Landwirtschaft bereits heute um mehr als das Doppelte überflügelt.” Da könnte man die gleiche Analyse auch für den Zukunftsmarkt der Steckdose machen. Zumindest stehen mit der Steckdose sicher mehr Prozente des deutschen BIPs in Zusammenhang. Das die Studie überhaupt nicht die ökologischen und sozialen Fragen thematisiert, war zu erwarten.

Das Deloitte in der Studie von einem “Smartphone-Ökosystem”, “Smartphone-Landschaft” und “Evolutionsstufen” spricht, verdeutlicht die intellektuelle Distanz der strategischen Aussagen der ökonomisch fokussierten Dateninterpretierer, denen jede Wahrnehmung für gesellschaftlichen Anforderungen an Zukunftsfähigkeit fehlt. Unternehmen, die sich an diesen Aussagen ausrichten, werden am Markt vorbei agieren. Was wir heute brauchen sind Studien, die einem agilen Management klare Orientierungen für ein Marketing in partizipativen zirkulären Märkte liefern.